Das ist man von Apple-Chef Steve Jobs nicht gewohnt. Was er auf der Bühne verkündigt, hält normalerweise das Produkt später auch. Das iPhone 3G kann das, was man von ihm erwartet hat -mehr aber auch nicht. Als Knüller galt daher vielen auch der Dienst MobileMe. Alle Daten auf allen Geräten und im Internet, sofort. Das ist mehr, als bloß die Exchange-Funktionen auf dem iPhone nachzustellen. Das ist fast schon visionär.
Ein paar Tage nach dem Start von MobileMe gibt allerdings es immer noch massive Probleme. Offensichtlich wurde der Dienst mit der heißen Nadel gestrickt, um ihn zeitgleich mit iPhone 3G und iPhone 2.0 veröffentlichen zu können. So ist der Push-Mail-Dienst immer wieder nicht zu erreichen. Alles läuft zähflüssig. In der deutschen und in der französischen Oberfläche kann man die kostenlosen Testkonten nicht kündigen.
Das können Anfangsprobleme sein, die Apple schnell in den Griff bekommt. Offensichtlich sind dies aber auch Fehler im Design. Apple versprach eine vollständige Synchronisation. Gibt man Daten über ein Programm auf einem stationären Rechner ein, so werden diese MobileMe aber bloß alle 15 Minuten, wenn nicht sogar alle 60 Minuten übermittelt. Die Produktbeschreibung hat Apple heimlich geändert. Einige Teilfunktionen wie die Möglichkeit, online abgespeicherte Dateien mit anderen zu teilen, wurden kurzerhand deaktiviert.
Idee grundsätzlich ausgehebelt
Daten, die über das iPhone oder die Weboberfläche eingegeben werden, stehen automatisch in der "Cloud" zur Verfügung und werden von MobileMe auf die einzelnen Geräte weitergleitet - auch auf stationäre Rechner. Diese Richtung funktioniert. Die Idee war dennoch, alle Daten überall identisch zu haben. Dafür müssten sie in Echtzeit abgeglichen werden. Dass dies nicht funktioniert, ist nicht bloß ein singulärer Fehler, dies hebelt die Idee grundsätzlich aus. Die Vision ist keine Vision mehr.
Apple wird nachbessern, keine Frage. Die Anfangsprobleme werden behoben werden, bis alles flüssig läuft. Letztlich wird MobileMe aber danach beurteilt werden, ob die Grundidee umgesetzt wurde. Immerhin kostet der Dienst 79 Euro im Jahr. Ähnliche Dienste wird es auch von anderen geben - von Microsoft, Google und Nokia. Diese beschränken sich aber nicht auf Geräte der eigenen Marke - wie Apple.
Zum ersten Mal könnte Apple abgehängt werden. Coole Geräte zu machen, reicht einfach nicht.
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