Als E-Plus die Marken Simyo und Base aus der Taufe hob, da sollten die Tarife endlich verständlich sein: ein fester Minutenpreis rund um die Uhr bzw. ein monatlicher Fixpreis. Keine Extras. Was sollte daran noch missverständlich sein? Seit einigen Tagen jedoch erhalten einige Nutzer der Internet-Flatrate von E-Plus und Base die fristlose Kündigung - mit unverständlichen Begründungen.
In einem Kündigungsschreiben heißt es: "Nach uns vorliegenden Informationen wird der für sie bestehende Base Mobilfunkanschluss fast ausschließlich zum Aufbau und Halten von Dauerverbindungen über mehrere Tage und zu permanenten Datenübertragungen verwendet." Genau das aber ist der Zweck einer Flatrate. Zumindest sollte es möglich sein.
In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) für die Base-Flatrate heißt es sogar: "Mit der Internet Flatrate sind alle Packet-Switched-UMTS/GPRS-Verbindungen innerhalb des E-Plus Netzes [...] kostenfrei." Die einzige Ausnahme, die E-Plus vorgenommen hat, ist der Ausschluss von Voice-over-IP und die Einschränkung von Filesharing. Das wurde aber anscheinend keinem Gekündigten vorgeworfen.
Wer ist betroffen?
Auch in den seit wenigen Tagen (1. April) gültigen AGB wurde kein Passus aufgenommen, der ein Sonderkündigungsrecht aufgrund überdurchschnittlicher Nutzung vorsieht. Anscheinend geht E-Plus bloß gegen einzelne Nutzer vor. Um wieviele Fälle es sich dabei handelt, ist aber nicht bekannt. Betroffene diskutieren im Forum von onlinekosten.de über juristische Schritte gegen E-Plus.
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Die dort geschilderten Fällen legen nahe, wer betroffen sein könnte. Gekündigt wurden einige Kunden, die monatlich mehr als 20 Gigabyte Daten herunterladen, lange online sind und Internetradio hören. Ob E-Plus tatsächlich nach diesem Schema vorgeht, lässt sich natürlich nicht sagen.
Erinnerungen, die hochkommenÄhnliche Probleme hatten vor einigen Monaten Kunden von Victorvox, die mit dem Tarif MoobiCent ebenfalls eine Internet-Flatrate gebucht hatten. Ihnen wurde nicht gekündigt, sondern die Bandbreite radikal gedrosselt. Wer damals am Rädchen gedreht hat, wurde nicht bekannt. Mittlerweile sind die Probleme versandet.
Wer weiter in die Vergangenheit zurückblickt, erinnert sich auch an die ersten DSL-Flatrates, deren Mischkalkulation von Filesharern zunichte gemacht wurde. Damals rechneten die Provider die untereinander ausgetauschten Daten noch teuer ab. Mancher Provider drosselte kurzerhand die Bandbreite oder sprach die Kündigung aus.
Engpässe im Netz
Die Kosten für den Datenverkehr sind heute aber nicht mehr das Problem, auch für E-Plus nicht. Das Netz ist an vielen Orten schlichtweg überlastet. Mobilfunk-Discounter wie Simyo und blau.de sowie Base mit günstigen Flatrates haben viele Kunden ins Netz geholt, ohne dass das Netz groß ausgebaut wurde.
Ein Weg, neue Kapazitäten zu schaffen, ist sicherlich, die Poweruser loszuwerden - aber dort, wo wirklich die Engpässe auftreten. Ein Muster, wer von E-Plus gekündigt wurde und wieviele Kunden betroffen sind, wird deshalb nur schwer auszumachen sein. E-Plus wird es nicht verraten.
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04.04.2008 | 19:53 Uhr
Autor: Peter Giesecke
Tags: E-Plus, Base, Flatrate, Kündigung, Drosselung