Wenn ein Mobilfunkanbieter die Vertragslaufzeit verkürzt, ist dies erst einmal zu begrüßen. Wer seit gestern die Datenflatrate mobileDSL flat von Moobicent bucht, bindet sich nur noch vier Monate per Vertrag. Bislang musste man sich, wie in der Branche üblich, 24 Monate darauf einlassen. Doch warum macht ein Anbieter das?
Die Konditionen des Vertrages sind auf den ersten Blick gleich geblieben. Die monatliche Grundgebühr liegt bei 39,95 Euro. Zu Vertragsbeginn muss man einmalig 24,95 Euro zahlen. Vertragspartner ist nicht Moobicent, sondern der Service Provider Victorvox. Genutzt wird das Netz von Vodafone. Laut Moobicent erhält man dort die volle Bandbreite. Diese beträgt an einigen Standorten über HSDPA sogar bis zu 7,2 Mbit/s im Download.
Neu ist, dass der Vertrag sich automatisch um einen Monat verlängert, wenn man nicht rechtzeitig kündigt. Da der Service Provider dadurch weniger Einnahmen garantiert bekommt, subventioniert er auch das Datenmodem geringer. Dieses kostet nun 149 statt 99 Euro.
Still und heimlich die AGB geändert
Doch warum verkürzt Moobicent nun die Vertragslaufzeit? Seit Mitte letzten Jahres beklagen sich immer wieder Nutzer von mobileDSL flat über Drosselungen der Bandbreite, nachdem sie großen Datenmengen geladen hatten. Moobicent bestritt immer wieder, dass einzelne Kunden bewusst heruntergeregelt wurden. Stattdessen nannte man technische Gründe, die aber nie näher belegt wurden oder nachvollzogen werden konnten.
Still und heimlich wurden jetzt aber auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geändert. In den Ergänzende Geschäftsbedingungen heißt es unter Punkt I.5: "Victorvox behält sich auch vor, bei Vorliegen einer über das übliche Maß hinausgehenden oder missbräuchlichen Nutzung aus Sicherheitsgründen die maximal mögliche Geschwindigkeitsübertragung einzuschränken oder den Anschluss vorübergehend zu sperren."
Moobicent und Victorvox legitimieren durch diesen neuen Passus das, was die geschädigten Nutzer in den letzten Monaten immer wieder vermutet haben. Wer zu viele Daten versurft, dem wird der Datenhahn zugedreht. Unter einer Flatrate versteht man allerdings etwas anderes, und Moobicent bewirbt auch nach der Änderung der AGB den Tarif als Flatrate.
Den Powerusern an den Kragen
Der Tarif mobileDSL flat ist der einzige Tarif in Deutschland, der eine Datenflatrate im Mobilfunknetz mit so hoher Bandbreite verspricht. Die Flatrates im Netz von E-Plus kann man nur mit maximal 384 kbit/s nutzen. Ähnliche Tarife im Vodafone-Netz sind sogenannte Fair-use-Flatrates, die aber nichts anderes als ein Volumentarif mit 5 Gigabyte Inklusivvolumen sind.
Auch wenn Victorvox nichts zu den Vertragsbedingungen mit Vodafone sagt, ist anzunehmen, dass der Service Provider beim Netzbetreiber nicht zu Flatratebedingungen einkauft. In diesem Fall muss Victorvox für den Tarif mobileDSL flat eine Mischkalkulation erstellen und darf nicht zu viele Poweruser in sein Netz lassen. Oder muss sie wieder loswerden.
In den Ergänzenden Geschäftsbedingungen heißt es im Punkt II.3 auch: "Stellt Victorvox eine extrem über dieses Maß hinaus gehende Nutzung, die von der durchschnittlichen Nutzung erheblich abweicht, oder eine missbräuchliche Nutzung fest, wird sie den Kunden diesbezüglich abmahnen. Erfolgt danach innerhalb einer angemessenen Frist weiterhin eine übermäßige oder missbräuchliche Nutzung, behält sich Victorvox die Sperrung, die außerordentliche Kündigung des Vertragsverhältnisses sowie die Geltendmachung des dadurch entstandenen Schadens ausdrücklich vor."
Noch einfacher wäre es allerdings, den Powerusern nach der Vertragslaufzeit von vier Monaten einfach den Vertrag nicht zu verlängern. So oder so bedeutet dies für ungeliebte Kundschaft ein schnelles Vertragsende.
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