Man stelle sich vor, vor einem zückt jemand das Handy, fotografiert und begrüßt einen mit Namen. Oder er sagt: Ihre Frau hat gestern Geburtstag gehabt. Das Menü sah fantastisch aus. Ihre Frau übrigens auch. – Will man das?
Technisch beherrscht Google dies bereits. Google-Manager Hartmut Neven betätigte dies in der letzten Woche in einem Hintergrundgespräch mit CNN (extern). Seitdem streiten sich Google und CNN darüber, wie einzelne Passagen gemeint waren.
Intern scheint Google eine Anwendung zu testen, die Gesichter erkennt und dazu dann Namen und persönliche Daten anzeigt. Das können auch aktuelle Status-Update bei Facebook und Twitter sowie Bilder bei Flickr und Picasa sein. Ein endgültiges Produkt ist dies noch nicht.
Keine Anwendung geplant
Was technisch machbar und was darüber hinaus möglich ist – also was rechtlich erlaubt ist und was die Nutzer aktzeptieren würden –, ist aber noch ein riesiger Unterschied.
Neven hat in Anwesenheit eines PR-Verantwortlichen von Google gesagt, dass die Gesichtserkennung auch in realen Produkten eingesetzt werden könnte, dies aber nur bei Einhaltung hoher Datenschutz-Regeln geschehen würde.
CNN hatte dann jedoch das Bild gezeichnet, es könne ein Anwendung geben, die Gesichter erkennt. Das hat Google dementiert. Die Gesichtserkennung werde auch kein Bestandteil von Google Goggles werden. Diese Linie hat Google schon früher mehrmals gezogen.
Fotos automatisch mit Namen taggen
Die Erkennung von Gesichtern ist aber eine wichtige Technik, die bereits jetzt von Google genutzt wird. Bei Google Street View werden Gesichter automatisch erkannt, um diese unkenntlich zu machen.
Wiedererkannt können Gesichter aber werden, um einzelnen Bilder in Fotosammlungen mit den Namen der abgebildeten Personen zu taggen. Picasa nutzt dies bereits – aber auch Facebook.
Ablehnung und Befürwortung in extremer Form
Die Brisanz des CNN-Berichts liegt deshalb auch nicht darin, ob Neven korrekt wiedergegeben wurde oder ob überhaupt an einer Gesichtserkennung gearbeitet werden soll.
Die Brisanz liegt darin, dass es noch keinen gesellschaftlichen Konsens darüber gibt, wie diese Technik eingesetzt werden soll. Bei Street View hat es bereits ein Gegenüber von extremer Ablehnung und Befürwortung gegeben.