Alle Bücher der Welt sollten online abrufbar sein – über Google. Der New Yorker Richter Denny Chin hält das zwar auch für praktisch, sah aber das Urheberrecht vieler verletzt. Er untersagte den Vergleich mit der Authors Guild. Es geht aber nicht nur um die Bücher, sondern auch um viel Geld, das in den letzten Jahren investiert wurde.
Bevor 2008 die Vereinbarung zwischen Google und der Authors Guild erreicht wurde, standen sich beide Parteien als Gegner gegenüber. Google scannt seit 2004 Bücher ein, insgesamt sollen es schon mehr als 15 Millionen sein. Für die Authors Guild sind allein die Prozesskosten keine Kleinigkeit.
Für beiden Seiten steht also viel auf dem Spiel. Man könnte einfach dort weitermachen, wo man vor 2008 war – vor Gericht und zwar gegeneinander. Google könnte auch versuchen, die Gesetze zu ändern. Eine alte Initiative wurde mit Ausblick auf den Vergleich aus 2008 ruhen gelassen. Auch Richter Chin wies diesen Weg als Möglichkeit.
Verwaiste Rechte
Doch worum geht es dabei? Wo liegt der Wert? Die Rechtslage ist sowohl bei gemeinfreien Werken klar, deren Urheberrecht abgelaufen ist, als auch bei Büchern, wo es jemanden gibt, der diese Rechte vertritt.
Gestritten wird um die sogenannten verwaisten Bücher, bei denen es offensichtlich ist, dass jemand die Urheberrechte hält, es aber nicht offensichtlich ist, wer dies ist. Es könnte sich dabei um die Hälfte aller Bücher handeln. Dies können im Eigenverlag publizierte Romane sein, aber auch viele wissenschaftliche Bücher.
Exklusive Daten für Google
Laut Richter Denny Chin müsste zu jedem Buch der Inhaber des Urheberrechts ermittelt und um Erlaubnis gefragt werden (opt-in). Zwar können im amerikanischen Rechtssystem Entscheidungen herbeigeführt werden, die dann für alle Betroffenen gelten (class action), dies gilt aber nur für zurückliegende Schäden und nicht für die zukünftige Abtretung von Rechten.
Google hat bereits viel in das Einscannen von Millionen Büchern investiert, der Wert liegt aber noch woanders. In Zeiten, wo die Suchalgorithmen immer besser werden und sich angleichen, hätte Google weitere Daten, die de facto exklusiv wären.