Google hat viel Fantasie. Das gerade angekündigte Betriebssystem Android hat dies wieder einmal bewiesen. Alle Spekulationen im Vorfeld zielten darauf ab, dass Google etwas plant, das es bereits gibt - nur besser. Ein Handy zum Beispiel. Was Google dann aber mit Android und der Open Handset Alliance präsentierte, war mehr. Offensichtlich fehlt den Marktbeobachtern die Fantasie.
Aus diesem Grund fragt man sich nun auch, was Google mit den Mobilfunkfrequenzen vorhat, für die es im Januar voraussichtlich mitbietet. Das Wall Street Journal (WSJ) hat wieder einmal eine Antwort.
Ende Januar wird die Federal Communications Commission (FCC) frei gewordene Frequenzen im Spektrum um 700 MHz versteigern. Google nahm bereits Einfluss auf die Vergabebedingungen. Dass der Werbeplatz-Auktionator nun auch mitbieten wird, ist fast schon zwangsläufig. Dennoch hat Google sich laut WSJ die endgültige Entscheidung bis zum 3. Dezember vorbehalten. 4,6 Mrd. Dollar wird die Lizenz voraussichtlich kosten.
Freier Zugang zur Google-Werbung
Dass Google zu einem klassischen Netzbetreiber wie AT&T oder T-Mobile wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Googles Geschäftsmodell ist ein anderes, genauso wenig wie die Produktion von Handys. Google schafft sich lediglich Raum für sein eigenes Geschäft. Auf der Android-Plattform werden Google-Dienste und Google-Werbung ihren Platz haben. Nun möchte sich Google einen freien Zugang zu den Netzen sichern.
Das ist nicht neu. Bislang hat Google an einigen WLAN-Stadtnetzen mitgewirkt. Die WLAN-Community Fon.com wird ebenfalls unterstützt. Der Zugang zu diesen Netzen ist kostenlos, zumindest unter bestimmten Bedingungen. Mit welchem Gerät man sich einloggt, spielt dabei auch keine Rolle. Dieses Modell könnte Vorbild für ein neues Mobilfunknetz sein. Google möchte möglichst wenig Beschränkungen. Einen SIM-Lock würde es im Google-Netz wohl nicht geben.
Alles, was darüber hinausgeht, ist Spekulation. So wird immer wieder gemutmaßt, Google wolle dem Kunden nicht direkt in Portemonnaie greifen. Telefonate könnten kostenlos sein. Der Zugang zum mobilen Internet ließe sich über Werbung refinanzieren. Eine monatliche Grundgebühr wird es dann wohl nicht mehr geben.
Modell WLAN-Hotspots
Auch das Modell der WLAN-Hotspots wäre denkbar, bei dem man nur ein Tages- oder Wochenticket kauft. Oder ein Ticket für höhere Bandbreiten. Wenn man nun alte Denkgewohnheiten beiseite schiebt, wäre es sogar möglich, auf SIM-Karten ganz zu verzichten und sich wie an Hotspots über einen Account anzumelden. Bislang gibt es auch noch keine Geräte, die in diesem Frequenzbereich funken. Neue Geräte müssten auf jeden Fall her.
Vor so einem Modell müssten die Netzbetreiber Angst haben. Geräte würden ohne Bindung an einen Provider gekauft und könnten sich fallweise mal in das eine, mal in das andere Netz einbuchen. Die Teilnahme von T-Mobile an der Open Handset Alliance zeigt allerdings, dass bereits ein Umdenken stattgefunden hat. T-Mobile ist einer der größten Betreiber von WLAN-Hotspots. Dort weiß man, dass die Rechnung letztlich aufgeht.
Google wird sich den Betrieb eines eigenen Netzes nicht auflasten. Auf dem Firmensitz in Mountain View testet Google zwar laut WSJ bereits ein eigenes Netz. Dort kommen auch die ersten Android-Handys zum Einsatz. Hat Google aber erst einmal die Frequenzen, dann kann es auch festzulegen, unter welchen Bedingungen diese von anderen Providern genutzt werden können.
Ähnlich wie bei Android und der Open Handset Alliance dürfte Google eine offene Plattform schaffen. Google gibt vor, andere machen die Arbeit.
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