Googles Imperium wurde auf einem Algorithmus gebaut. Die beiden Gründer, Larry Page und Sergey Brin, verstehen sich als Ingenieure. Deshalb brauchten sie 2001 auch jemanden, der etwas vom Geschäft versteht: Eric Schmidt. Anfang April rückt nun wieder Page an die Spitze. Never change a running system, heißt es unter Ingenieuren. Was ist denn der Grund für den Umbau bei Google?
Das Magazin The New Yorker berichtet vom Bruch zwischen Schmidt und den beiden Gründern im letzten Jahr. Der Google-Chef wollte sich nicht aus China zurückziehen. Page und Brin wollten dagegen nicht die Suchergebnisse zensieren.
Das ist keine Entscheidung auf Grundlage einer technischen Logik gewesen, sondern eine moralische. Das Google-Mantra "Don't be evil" stammt zwar nicht von den beiden Gründern, wurde aber von ihnen etabliert.
Googles Erfolg hängt nicht am Redetalent
Dass Schmidt nun geht und vor allem dass Page übernimmt, ist ebenfalls nicht zwangsläufig, sondern eine bewusst getroffene Entscheidung. Man könnte sie auch als die erste Entscheidung des neuen Unternehmenslenkers verstehen.
Die Kommentare konzentrieren sich derweil auf zwei Punkte: Pages Schwächen und der Vergleich mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Beides geht fehl.
Page ist öffentlichkeitsscheu und kein guter Redner. Er hatte aber bereits 2001 die Souveränität, die Zügel aus der Hand zu geben, und den Mut, sie jetzt wieder selbst zu übernehmen. Googles Erfolg wird nicht von seinem Redetalent abhängen.
Im letzten Jahr unter Schmidt verändert
Facebooks Zuckerberg hat übrigens dieselben Schwächen. Er arbeitet daran – mit Erfolg. Gerne werden aber die Unterschiede betont: das Alter und die akademische Vorbildung. Wenn sich aus diesen beiden Faktoren Erfolg ableiten ließe, müssten viel mehr Menschen erfolgreich sein.
Google (aber auch Facebook) wird durch viel mehr definiert als durch einzelne Menschen an der Spitze. Never change a running system. Die Frage ist, wieviel ein Wechsel an der Spitze ändern wird und wieviel sich bereits im letzten Jahr unter Schmidt verändert hat.
Google hat viele Mitarbeiter verloren, darunter auch viele wichtige. Jeder zehnte Facebook-Mitarbeiter soll vorher bei Google gewesen sein. Neue Ideen ließen sich nur langsam umsetzen, heißt es. Das ist die Krankheit, unter der große Institutionen leiden: Bürokratie.
Aktienpaket als Dankeschön
Das System bzw. das Unternehmen Google muss sich ändern, wenn es nicht ein zweites Microsoft und ein drittes IBM werden will.
The New Yorker mag Recht haben, dass zur Chinafrage Schmidt und Page mit Brin unterschiedlicher Meinung waren. Im Streit werden sie sich aber nicht trennen.
Schmidt erhält als Dankeschön Aktien und Aktienoptionen im Wert von 100 Millionen Dollar. Er besitzt bereits 2,9 Prozent des Unternehmens. Es wird damit gerechnet, dass er sich innerhalb eines Jahres ganz zurückziehen wird.