Welche Daten haben die Google-Autos erfasst, die für Street View durch die Straßen großer Städte gefahren sind und dabei auch die Standorte von WLAN-Netzen kartografiert haben? Kanadische Datenschützer sagen: Mehr als bisher angenommen.
Google wusste selbst nicht, was für Daten auf den eigenen Festplatten gelandet waren. Auf Nachfrage deutscher Datenschützer hatte Google in der Software Teile gefunden, die den Datenverkehr aus unverschlüsselten WLAN-Netzen mitgeschnitten hatten.
Durch den schnellen Wechsel der Funkkanäle sollten dies aber nur Fragmente gewesen sein. Google räumte jedoch früh ein, dass es sich dabei auch um Passwörter und E-Mail-Header handeln könnte. Dies bestätigten die Kanadier jetzt.
Komplette E-Mails erfasst
"In einigen Fällen wurden vollständige E-Mails, URLs und auch Passwörter mitgeschnitten", sagte Alan Eustace, Senior Vice President für Engineering und Research bei Google, im Blog European Public Policy Blog.
Die kanadischen Datenschützer nannten auch Zahlen – unter anderem fünf vollständige E-Mails und 787 Telefonnummern.
Google hatte damals angekündigt, die Daten so schnell wie möglich zu löschen – aber in Abstimmung mit den jeweiligen Datenschützern.
Menschliche Fehler passieren
Als Folge hat Google nun einen neuen Director of Privacy ernannt. Zudem wurden neue Schulungsmaßnahmen für die Mitarbeiter angekündigt sowie neue Abläufe im Unternehmen.
Google räumt aber gleichzeitig ein, dass dieses Maßnahmen nicht greifen können, wenn ein menschlicher Fehler passiert. Das war auch schon der Grund, weshalb die Google-Autos überhaupt mehr Daten erfasst hatten, als sie sollten.
Die erfassten Daten wurden aber keinen Personen zugeordnet. Erfasst werden sollten lediglich der Netzwerk-Name, die MAC-Adresse sowie der Standort. Verwendet werden diese Daten für die Funktion "My Location".
WLAN-Daten zur Standortbestimmung
Wenn ein GPS-Signal vorliegt, nutzt Google dieses, um den Standort auf wenige Meter genau zu bestimmen. Wenn das Gerät aber keinen GPS-Empfänger hat oder keine Sichtverbindung zum Satelliten besteht, greift Google auf die umliegenden WLAN-Signale zurück.
Aus den empfangenen Signalen berechnet Google dann per Triangulation den ungefähren Standort auf 80-90 Meter genau. Erst wenn das nicht möglich ist, schaut Google, in welcher Mobilfunkzelle das Handy eingebucht ist. Hier kann der Standort nur auf 1.000 bis 3.000 Meter bestimmt werden.