Als Nokia gestern ankündigte, die Navigation per Ovi Maps in Zukunft kostenlos anzubieten, stürzten die Aktienkurse der Hersteller von klassischen Navigationsgeräten. So war es auch schon als Google seine Lösung Maps Navigation vorstellte. Dies erweckt jedoch einen falschen Eindruck, denn Nokia tritt eigentlich gegen Google an.
TomTom, Garmin und Navigon wussten, dass das irgendwann so kommen wird, denn es gab schon immer Kunden, die ein Gerät bevorzugen, das alle Funktionen vereint. Auch mit dem Computer wird gearbeitet und gespielt, werden Briefe geschrieben und Videos angeschaut.
Das gilt aber nicht für alle. Es gibt nicht die eine, beste Navigationslösung. Eine vierköpfige Famile benötigt keine vier Smartphones, sondern einen verlässlichen PNA, der im Auto fest installiert ist. Und auch so wird manch einer sein kleines Klapphandy lieber mit einer kleinen Box im Auto kombinieren.
Was passiert im Funkloch?
Die eigentliche Frage ist deshalb, ob man auf Google, Nokia oder einen Dritten setzt, wenn man sich mit dem Smartphone navigieren lässt. Bereits jetzt sind die Unterschiede offensichtlich.
Google und Nokia setzen beide - mehr oder weniger - auf den mobilen Internetzugang. Fährt man durch das deutsche Mittelgebirge kann es durchaus passieren, dass das Display leer bleibt, weil das Smartphone die aktuelle Karte nicht nachladen kann.
Nokia hat eine Lösung für dieses Funkloch-Problem: Die Routen lassen sich am heimischen Rechner planen und die Karten auf das Smartphone übertragen. Nachgeladen werden dann höchstens die Verkehrsinformationen oder Straßen fernab der ursprünglichen Route - wenn man spontan einen Umweg nimmt.
Welche Hardware wird vorausgesetzt?
Eine solche Onboard-Navigation bietet Google noch nicht. Bei Gmail und anderen populären Diensten erlaubt Google aber schon die Zwischenspeicherung von Daten auf dem Gerät. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass sich Google auch für das Funkloch-Problem eine Lösung einfallen lassen wird.
Ebenfalls noch ungewiss ist, mit wievielen Geräten man sich zukünftig navigieren lassen kann. Google bietet Maps Navigation vorerst nur für Android 2.x und auch nur in den USA. Ovi Maps soll bald auf allen Smartphones mit Symbian S60 und GPS-Empfänger laufen.
Es wird sich aber erst in der Praxis zeigen, wie leistungsfähig die Hardware sein muss. Das ist die eigentliche Beschränkung. Ein bisschen Wartezeit mag in Kauf genommen werden, wenn man über Google Maps eine lokale Suche startet - nicht aber, wenn man gerade im Auto die Abfahrt verpasst.