Anssi Vanjoki

Nokia verharmlost seine Probleme

Nokias sympathischer Vorstand Anssi Vanjoki sprach mit zwei deutschen Wirtschaftszeitungen, denn Nokia verliert Marktanteile, macht Verluste und will endlich das Ruder herumreißen. Doch diese neue Richtung sollte schon vor zwei Jahren eingeschlagen werden. Nokia verspielt langsam seinen Kredit.

Dem Handelsblatt sagte Vanjoki, in Zukunft wolle Nokia sich mehr auf Design und Internet-Dienste konzentrieren. Die Wirtschaftswoche schrieb sogar, Nokia könnte in Zukunft keine Handys mehr selbst produzieren. Das Unternehmen stellte heute jedoch klar, dass man nicht plane, sich von diesem Kernbereich zu trennen.
Eigentlich hat Nokia diesen Weg bereits vor zwei Jahren eingeschlagen. Die Ovi-Dienste sollen diese Anbindung ans Internet herstellen. Doch sie lassen sich nur mit einem Nokia-Handy nutzen - und sind nicht einmal gut.

Der Ovi Store ist unübersichtlich. Ovi Kontakte bietet zu wenig Felder für ein gutes Adressbuch. Die Navigation von Ovi Karten kostet Geld. Der Abstand zu Google ist in fast allen Bereichen spürbar.

Der zweite Joker ist dann aber doch wieder Ovi. Nokia hat nicht nur diese Dienste entwickelt, sondern auch ein riesiges Potential an Entwicklern. Dieses müsste genutzt werden, um die Dienste auf Augenhöhe mit Google zu heben, diese kostenlos zu machen und von der einseitigen Bindung an Nokia-Handys zu befreien.

Der dritte Irrtum ist das platte Gummistiefel-Argument. Vor hundert Jahren habe Nokia sein Geld mit der Produktion wasserfester Schuhe verdient. Mit anderen Worten: Geschäftsmodell ändern, dann funktioniert es wieder. Aber was einmal gelingt, geht oft beim zweiten Mal schon daneben.

Vor dieser Blauäugigkeit muss sich Nokia am meisten fürchten.

30.11.2009 | 20:49 Uhr
Autor: Peter Giesecke
Tags: Anssi Vanjoki, Nokia, Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Ovi, Maemo, Symbian, Nokia N900

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