Regeln sind dafür da, um eingehalten zu werden. Doch bei einigen Anwendungen, die Apple nicht in den App Store aufnimmt, fragt man sich, wie Apple diese Richtlinien auslegt. Im aktuellen Fall geht es um ein Wörterbuch der englischen Sprache.
Zwei Monate hat es gedauert, bis Ninjawords von Matchstick Software dann doch im App Store erschienen ist. Mehrmals wurde es von Apple zurückgewiesen. Viele Medien fragen sich nun: War dies Zensur oder nicht?
Ninjawords nutzt den Wortschatz des freien Online-Wörterbuchs Wiktionary. Dieses kann von jedem Nutzer verändert werden - wie auch Wikipedia. Dadurch ist der Wortbestand schneller, oft präziser, vor allem aber auch umfangreicher als bei anderen Wörterbüchern - einschließlich vulgärem Vokabular.
Phil Schiller meldet sich zu Wort
Eine dieser Regeln zur Aufnahme in den App Store besagt, dass man keine jugendgefährdenden Inhalte anbieten darf. Diese kommen in einem vollständigem Wortschatz aber zwangsläufig vor. Apple lehnte die erste Version ab. Dann ging es hin und her.
Das Blog Daring Fireball griff diesen Fall auf. Apples Marketing-Chef Phil Schiller nahm dort auch Stellung. Seine Version wurde letztlich dann von den Machern von Ninjawords bestätigt. Apple hat keine Zensur ausgeübt - jedenfalls nicht im Wortsinn.
Matchstick Software wollte Ninjawords relativ schnell in den App Store bringen und hat zwei Korrekturen vorgenommen. Es wurden einige anstößige Wörter herausgefiltert. Gleichzeitig wurde das Wörterbuch als "17+" angemeldet - also nur für Erwachsene zugänglich.
Der Druck ist da, auch ohne Zensur
Apple verwies aber auf die neue Jugendschutz-Funktion in der Firmware iPhone OS 3.0. Darauf zu warten, dauerte Matchstick Software jedoch zu lange. Jetzt werden zweideutige Wörter bei der Autovervollständigung erst angezeigt, wenn sie vollständig eingetippt worden sind. Ninjawords zeigt vulgäre Wörter also nur, wenn man sie bereits kennt.
Apple hat also keine direkte Zensur ausgeübt. Es wurde nicht gefordert, konkrete Wörter zu entfernen. Allerdings hat sich wieder einmal gezeigt, dass den Regeln zur Aufnahme in den App Store nicht immer so leicht zu folgen ist. Die Aufnahmepraxis ist undurchsichtig.
Dies kann letztlich zu einem Verhalten führen, wie man es bei Matchstick Software gesehen hat. Um möglichst schnell das Aufnahmeverfahren zu durchlaufen, beugt man sich im vorauseilendem Gehorsam mehreren möglichen Einwendungen Apples.
Mit oder ohne Zensur, auf den Entwicklern lastet ein schwerer Druck. Phil Schiller versprach, den Aufnahme-Prozess in Zukunft besser nachvollziehbar zu machen.