E-Plus

Kommentar: Die Aldisierung von E-Plus und O2

Anfang der Woche haben die beiden Sorgenkinder im deutschen Mobilfunkmarkt, E-Plus (extern) und O2 (extern), ihre Quartalszahlen vorgelegt. Eines ist klar: T-Mobile und Vodafone werden sie nicht so schnell einholen. Die beiden Kleinen suchen deshalb nach einer Strategie, anders zu wachsen, als es den Großen einfach nur für zehn Cent weniger nachzumachen. Mit Ramschware werden zwar neue Kunden gewonnen, aber keine Umsatzsprünge gemacht. Für den Zugang zum mobilen Internet lässt das nichts Gutes hoffen.

Auf den ersten Blick sah es noch gut aus: EBITDA und Umsatz sind bei E-Plus gestiegen, der Marktanteil sogar von 12,8 Prozent im Vorjahr auf rund 13,7 Prozent. Darunter sind knapp sechs Millionen Kunden, die die Submarken Base und Simyo sowie die Partnernetze nutzen. Damit sind 43 Prozent der eigenen Kunden auf den billigen Plätzen angekommen.

Mehr Kunden zahlen weniger pro Rechnung

Verwunderlich ist das nicht. E-Plus hat sich über andere Marken offensivst angedient, O2 bisher nur verhalten. Dort wird immerhin eine Million Kunden über die Partnernetze Tchibo und Hansenet geführt. Dennoch - oder deshalb - ist der durchschnittliche Umsatz pro Kunde im Vergleich zum Vorjahr nicht wenig gesunken. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Kosten für Gewinnung und Bindung der Kunden auch mit ausgelagert wurden.

Es wurden nicht einfach nur neue Vertriebskanäle erschlossen. Das ist ein Strategiewechsel, der sich auf eine einfache Formel bringen lässt: mehr Kunden und Umsatz, weniger Mitarbeiter und Kosten. Nicht weniger als die Aldisierung der Mobilfunkbranche steht an. Bisher hieß es immer, die Netze von E-Plus und O2 seien noch nicht so gut ausgebaut wie die von T-Mobile und Vodafone - mit der Betonung auf: noch nicht. Nun wird aus dem Mangel Konzept. Nach E-Plus möchte nun auch O2 sein Netz auslagern. Außerdem werden Mitarbeiter entlassen. Allerdings muss man abwarten, ob O2 dem von E-Plus eingeschlagenen Weg wirklich folgt oder eine eigene Strategie verfolgt.

Mobiles Internet: langsam und billig

Es besteht nicht zu befürchten, dass in Zukunft plötzlich die Gespräche abbrechen. Wer allerdings das mobile Internet mit dem Handy nutzen möchte, wird den Unterschied bemerken. E-Plus bietet über simyo den Zugang zum mobilen Internet für 24 Ct/MB und über Base als Flatrate für 25 Euro an. Das hört sich nach dem mobilen Internet-Paradies an, der Ausbau der Netze nach dem HSDPA-Standard lässt aber auf sich warten.

O2 befindet sich hierbei in der ersten Ausbaustufe, während T-Mobile und Vodafone derzeit ihre Netze für 7,2 Mbit/s im Download ausbauen. Bei E-Plus wird es auf lange Sicht bei 384 kbit/s bleiben. Möglichst viele Kunden durchs eigene Netz zu schleusen - mit einer akzeptablen Qualität und zu einem guten Preis - das kennt man vom Aldi. Wer etwas Ausgefalleneres möchte, muss woanders kaufen.

Genau wie der Aldi seine Existenzberechtigung hat, ist dies auch bei E-Plus und O2 der Fall. Wer nur seine E-Mails abrufen und das mobile Internet nutzen möchte, fährt gut mit diesen Angeboten. Die 7,2 Mbit/s - bei denen man erst einmal abwarten muss, wieviel davon dem einzelnen Nutzer zur Verfügung stehen - sind vor allem für Laptopnutzer interessant. Die sind und bleiben auch Kunden von T-Mobile und Vodafone. Die Rechnungen dafür werden auch  eher an Firmen als an Privatpersonen gehen.

01.08.2007 | 17:49 Uhr
Autor: Peter Giesecke
Tags: E-Plus, O2, mobiles Internet, HSDPA, simyo, Hansenet, Aldi, Base, Tchibo

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